Reportage
Heidelbergman 2005:
Dana war meine Schicksalsfee
Auch
in diesem Jahr spielt wieder ein Frau eine Rolle bei "meinem" HeidelbergMan.
War es in 2004 die "Andrea", wurde es 2005 eine Dana. Zur Erinnerung,
Andrea schwamm in 2004 im Neckar hinter mir her, sozusagen auf meinen Fersen und
wurde von ihren Fans am Land angefeuert: "Andrea, den da schaffst Du noch"
und "der da" war ich, aber Andrea schaffte mich, zumindest im Wasser,
nicht.
Zur Dana in diesem Jahr komme ich gleich.
Der diesjährige
HeidelbergMan hat eine besondere Vorgeschichte. Die Organisatoren haben nämlich
am 23.7.2005, also 2 Wochen vor dem Wettkampf die Fahrrad-Streckenführung
um 180 ° umgedreht, wollten die Strecke also andersherum führen. Darüber
wurden die Teilnehmer nicht durch E-Mail unterrichtet sondern es wurde lapidar
auf der Homepage unter der Bezeichnung "geringfügige Streckenänderung"
mitgeteilt. Dadurch wäre die Strecke im Rennen völlig anders gewesen,
für mich als "ungern schnell Abfahrer" äusserst nachteilig.
Da
ich nun die alte Strecke häufig übe, für den Nicht Heidelberger,
besonders anspruchsvoll ist die Führung am unteren St. Nikolausweg, war das
eine Katastrophe. Mein Übungsplan war über den Haufen geworfen. Ich
habe daraufhin an den Veranstalter ein Mail geschickt, das nicht beantwortet wurde
(Kundenfreundlichkeit wird dort (nicht nur) nach meinem Eindruck nicht hoch bewertet).
Daher wandte ich mich an die Rhein-Neckar-Zeitung und habe mich "beschwert".
Da das auch andere taten hatte es Erfolg und einige Tage später wurde die
Fahrradstrecke wieder auf "alt" geändert. (Darüber wurde auch
wieder keiner informiert, man konnte es nur auf der Homepage lesen). Das war insgesamt
von den Initiatoren kein schöner Zug, vor allem, weil Mails dort grdsl. nicht
beantwortet werden, was ich bereits im letzten Jahr erfahren musste. Die Großzahl
der Fahrradfahrer, die ich auf der Strecke beim Üben ansprach waren übrigens
meiner Meinung. Es sei nicht in Ordnung eine solche Strecke kurzfristig umzudrehen,
ohne die Teilnehmer zu unterrichten; und auf die Homepage des Veranstalters schaut
man nicht jeden Tag drauf.
Gut, nach dieser unerfreulichen Vorgeschichte
ging es am 7.8.2005 um 8.15 Uhr mit der allgemeinen Wettkampfbesprechung los.
Zum ersten Mal in meiner "Karriere" war ein Neoprenanzug erlaubt; den
hatte ich mir (eine Nummer zu klein) bei meinem Fliegerarzt ausgeborgt. Mit einem
"Neo" liegt man flacher im Wasser und schwimmt daher besser. Ich selbst
kraule nicht sondern bin "Brustler" aber im Ergebnis war ich 8 (!) min
schneller als im Vorjahr, das lag aber auch an der besseren Strömung. Also,
im nächsten Jahr werde ich einen "passenden" Neo-Anzug" haben.
Vielleicht schaffe ich es auch, über die Strecke kraulen zu können,
dann könnte ich noch mal 5 Minuten gewinnen. Dieses Jahr war ich beim Schwimmen
auch "absolut" besser, es stiegen deutlich mehr "hinter" mir
aus dem Wasser als in 2004, wo nur 3 Athleten nach mir ankamen.
Ich hatte
allerdings einen Wettbewerber vor mir, der mir von links laufend in die Bahn schwamm,
etwas unkoordiniert und ich lag genau auf Ziellinie und wollte selber nicht ausweichen.
Nach links blickend orientierte ich mich an zwei blauen Badekappen, die immer
leicht hinter mir lagen, das gab
mir
bei der Geschwindigkeit Sicherheit.
Nun kam die erste Herausforderung, wie
bekomme ich den Neo vom Leib? Es ging nicht ohne Hilfe, also bat ich einen Passanten,
ihn mir am Rücken herunterzuziehen. Ich also umgezogen, Fahrradhose an, Startnummer
um den Rücken und die lange Strecke zum Ausgang das Radl geschoben, auf den
Sattel und los gings. Bis zur Alten Brücke habe ich zwei Mitbewerber überholt,
die mich am Schlossberg aber wieder einkassierten; ich bin am Berg eben zu langsam,
weil zu schwer. Daher, im nächsten Jahr trete ich 10 kg leichter an.
So,
ich bin inzwischen auf der Strecke am Johannes Hoops Weg und wundere mich. Letztes
Jahr wurde ich noch vor der Einmündung "meines" Oberen Gaisbergweges
vom Hauptfeld überrollt, das seine 2. Runde fuhr. Ich war aber nicht ganz
alleine, um mich herum ein paar andere, langsamere Radler, die in ihrer ersten
Runde waren. Wo war das Hauptfeld in seiner 2. Runde, das mich in beiden Vorjahren
hier längst überrollt hatte?
Kurz vor dem Speyerer Hof kam plötzlich
ein Polizeimotorrad von hinten und in dessen Schlepptau zwei Rennfahrer und dahinter
wieder ein Polizeimotorrad. Das war die Spitze. Immerhin, ich wurde erst am Speyerer
Hof überrundet. Leider konnte ich deren Namen nicht lesen, meine aber einen
"Sebastian" gelesen zu haben. Für die Nichtteilnehmer, alle Radler
haben ein Namensschild, das sie beim Radeln nach hinten tragen müssen. Kurz
hinter dem Speyrer Hof überholte mich eine zweite 2-er Radgruppe, und auf
einem Schild las ich "Timo", das war wohl Timo Bracht, einer der Favoriten.
Es hat etwas gespenstiches, wenn einen die cracks überholen. Erst ist es
ganz leise und dann hört man ein dumpfes rollendes Geräusch, weil die
"cracks" zum Teil besondere Fahrräder haben, die einfach lauter
und dumpfer "laufen". Das Geräusch ist einfach lauter, als das
normaler Rennräder. Man hört also von hinten ein dumpfes Brummen auf
sich zulaufen und weiß, jetzt muss man rechts ran.
Nach wie vor,
ich war nicht alleine auf dem Johannes Hoops Weg, vor mir in Schlagweite andere
Radler, und jetzt kommt "DANA" ins Spiel. Dana fährt den unteren
St. Nikolaus Weg hinauf und ich kann sie überholen! Mein einziger Überholerfolg
beim HeidelbergMan, seit ich teilnehme, mit Ausnahme der beiden Radler vor der
alten Brücke, die mich aber gleich wieder kassierten. Ich überholte
an meiner Horrorstrecke, dem St. Nikolausweg Dana und war im 7. Himmel. Oben,
bei 3 Eichen angekommen ging es weiter zum Königstuhl und ich hatte dort
mein Abfahrtsproblem. Soll ich mich in das Rennrad vornereinlegen und den Berg
hinunterrasen, was ich bislang nie geübt hatte, wie es alle Profis tun? Oder
soll ich aufrecht sitzend fahren und mit den "normalen Bremsen" verzögern?
In der 1. Runde entschied ich mich für ersteres, und war deutlich langsamer
als in der 2. Runde, wo ich aufrecht abwärts raste (max. 44 km/H) also relativ
langsam. Die cracks erreichen hier 80 km/h. 
Aber,
beim Abwärtsfahren, wer überholte mich mit Schmackes, ganz nach vorne
ins Rad geducket? - Dana - und ich war total niedergeschlagen. Sollte ich den
eben errungenen Erfolg, einen Teilnehmer auf dem Fahrrad abzuhängen bei der
Abfahrt gleich wieder verlieren? Aber, als ich wieder am Johannes Hoops Weg ankam
erblickte ich Dana vor mir und bis zur Kreuzung am Oberen Gaisbergweg hatte ich
sie eingeholt, der Ehrgeiz diesen Erfolg ins Ziel zu retten hat mich so stimuliert,
dass ich die 2. Runde insgesamt schneller als die 1. Runde fuhr. Und bei der erneuten
Abfahrt hat mich DANA nicht mehr gepackt. Also, das Rennen wird beim Anstieg und
nicht beim Abfahren gewonnen, eine Binsenweisheit.
Die weitere Abfahrt verlief
problemlos, allerdings fuhr ab dem Schloß bergab ein Fahrrad des Veranstalters,
mich behindernd vor mir her, was rücksichtslos war aber ich hatte keine Kraft
in wegzubrüllen. Unten am Neckarvorland angekommen wartet ein anderer, mir
unbekannter Rennradfahrer auf der Neuenheimer Seite an der Strecke und "zog"
mich bis zur Wechselzone, ein ganz feiner Zug, weil er mich ermutigte, noch mal
"Gas" zu geben. So etwas baut auf!
In der Wechselzone war es
kein Problem, meinen Platz zu finden, ich war der Vor-Vor-letze Radler, es waren
also nur noch drei Radplätze frei und es erwartete mich mein treuer Lauffreund,
Rolf-Dieter-Weinreich. Er hatte Getrränke dabei, zur Erinnerung, in 2004
gab es für mich keine Getränke in der Wechselzone, weil alles Personal
des Getränkeausgabestandes der Wechselzone zum Zieleinlauf gerannt waren.
Aber mit Rolf-Dieter zusammen lief ich nun den Albert-Überle Weg und den
Philosophenweg bergan, sehr zu Paß kam mir, dass es leicht zu regnen begann.
Das brachte Kühlung und "Power". Ich brauchte wenige Gehpausen
und plötzlich erscheint wieder ein junger Mann auf dem Fahrrad neben mir;
wie im letzten Jahr der Radler, der den/die letzten LäuferIn begleiten soll.
Ich erkannte ihn und er erinnerte sich auch an mich, es war Leon Gieser. Leon
sagte mir, dass ich wohl "der Letzte" sei, weil alle hinter mir "rausgenommen
worden seien; es wäre aber noch nicht sicher. Für mich war das ein Schlag,
weil mein wichtigstes Ziel für 2005 ja die Rangverbesserung, vom Vorletzten
auf den Vor-Vor-Letzen war. Wenn Leon also Recht hatte, war ich jetzt Letzter!
Gut, immerhin die Zeit war super, ich hatte eine Einlaufzeit voin 3 h 40 - 3 h
45 Minuten vor Auge, und das war 22 Minuten schneller als in 2004, also für
mich enorm. Ich konnte mich also ein wenig mit Leo unterhalten und er hat gerade
das Abitur am Bunsen Gymnasium abgelegt und wird nun Geschichte an der Uni Tübingen
studieren.
Als wir an der oberen Wendestelle ankamen, wurde ihm zugerufen,
dass noch zwei Nachzügler kämen. Für mich eine super Nachricht,
weil ich dann niicht mehr letzter, sondern tatsächlich Vor-Vor-Letzter geworden
bin. Und gleich nach der Wendestelle kam mir, die DANA entgegen, mit Ohrhörern
im Ohr und Musik hörend. Auf meine freundlichen Zurufe hat sie nicht reagiert.
Sie hatte es also noch geschafft und somit ist sie in 2005 meine Schicksalsfee
geworden. Sie war die Einzige, die ich auf dem Fahrrad überholte und sie
hielt durch und verschaffte mir so meine angestrebte Rangverbesserung. Bergab
ging es dann schnell und DANA holte uns nicht mehr ein. Direkt vor uns lief noch
ein Läufer, den ich aber nicht mehr "packte" wie ich mich auch
mühte. Er lief mit 3;43;18, ich mit 3;43,31 ins Ziel ein.
Ich bin also
zufrieden und glücklich. Für das nächste Jahr wünsche ich
mir:
1. Kraulen können, das bringt noch mal 5 Minuten beim Schwimmen
2. 10 Kg weniger Gewicht, das bringt 10-15 Minuten beim Radeln
Damit sollte
ich das Rennen unter 3 h 30 Minuten schafen können. Mehr ist aber bei meinem
Training nicht drin.
AUTOR: © Werner Bornemann-von Loeben
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